Aura, deshalb so schön, deshalb so exklusiv

Es liegt wohl im Wesen unserer gemeinsamen,freilich durch zahlreiche Kontroversen und Ambiguitäten gekennzeichneten, westlichen Kulturgeschichte der Moderne, dass Kunst- und Alltagsgegenständen immer auch eine auratische Eigenschaft eingeschrieben ist. Kritik an der Wirkung solcher Artefakte oder auch Erlebnisse lässt sich meistens schnell auf vermeintlich rationalere Bedingungen des Entstehungsprozesses von Ästhetiken verkürzen – in einem zweiten Schritt werden dann auch die Bedingungen einer Rezeption beleuchtet. Performanz kann dabei als ein großer Gegenbegriff zur auratischen Ausstrahlung eines Artefaktes gesehen werden. Weiterlesen

Wer möchte über wen sprechen?

Rainer Mittelstedt: Berlin, XI.Parteitag der SED, FDJ-Manifestation, Erich Honecker und Mengistu Haile Mariam, 18.04.1986. Im Besitz des Bundesarchives.

Ich befinde mich zur Zeit in Berlin und habe hier durch die große und freundliche Unterstützung des Berliner Missionswerkes (siehe Seite) und des Evangelischen Landeskirchenarchives (siehe Seite) einige Quellen für meine Arbeit finden und einsehen können. Es mutet zwar vielleicht trivial und subjektiv an, aber es beschäftigt mich in Berlin vielleicht noch stärker als in München die Frage, wer eigentlich über wen sprechen und schreiben möchte?

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Empathische Bildsprache in Comics

Vor gut einer Woche habe ich zusammen mit KommilitonInnen und Comic-Experten über die Möglichkeiten und Bedingungen von historischer Bildsprache in der Sequenz sprechen können. Aus einem Bericht über unseren studentischen Workshop von Thomas Raich (siehe post) wird deutlich, meine ich, wie sehr historische Comics eine Form der empathischen Auseinandersetzung mit Vergangenheiten sein können (es aber nicht müssen!). Das hat nicht nur Gründe in der künstlerischen Annäherung über Bild und Text (oder auch durch das bewusste Fehlen dieser Elemente) an Narrative, sondern liegt möglicherweise auch in der Vielzahl von Comics über den Holocaust begründet.

Unabhängig von einer Interpretationsdebatte, wie sehr bestimmte Comics den historischen Diskursen nun entsprechen können oder inwiefern sie für wen darstellend angemessen erscheinen, bleibt eine große Herausforderung an die Wissenschaftlichkeit bestehen: ist es möglich und wünschenswert, wissenschaftliche Perspektiven bewusst in einer Bildsprache unterzubringen? Und wie sehr möchten wir dabei ästhetisch sein?

Sorgen einer Retrospektive

Mitten im Arbeitsprozess fällt es mir tatsächlich schwer, diesen blog kontinuierlich zu entfalten. Dennoch, ich möchte an dieser Stelle einen kleinen Vortragstext publizieren, den ich anlässlich der Eröffnung des sog. „Offenen Forums für Migration und Flucht“ am Historischen Seminar in München gehalten habe. Das Forum beschäftigt sich mit Chancen und Grenzen der Einmischung durch AkademikerInnen in aktuelle Debatten und beleuchtet die Rolle von Argumenten, die sich auf die Vergangenheit beziehen. Es ist nun so, dass sich für meinen Untersuchungsgegenstand in der Masterarbeit ein Aknüpfungspunkt ergibt, in der Gestalt, dass Menschen aus Äthiopien, Somalia und Eritrea sich seit den in den 1970er Jahren begonnen kriegerischen Auseinandersetzungen zur Flucht gezwungen sehen. Weiterlesen